Referendum – AfD auf Türkisch 2


Mann zeigt Türkei-T-Shirt

Bild: Fotolia © gustavofrazao

Am 16.April 2017 hat in der Türkei das Verfassungsreferendum zur Einführung eines Präsidialsystems stattgefunden. Viele Kritiker sehen damit das Ende der Demokratie und vergleichen das Referendum mit Hitlers Machtergreifung 1933. Zitat: „Verfassungsänderung gleicht Ermächtigungsgesetz von Hitler eins zu eins“.

Das Ende verlogener Spielchen

Dass Erdogan alles andere als ein lupenreiner Demokrat ist, können selbst seine glühendsten Fans nicht bestreiten, doch die Türkei war immer schon ein Land an der Grenze zwischen westlichen Werten und orientalischer Willkürherrschaft. Das Ergebnis des Verfassungsreferendums beendet lediglich das verlogene Spielchen um EU-Beitrittsverhandlungen und einer zur Schau getragenen Pseudodemokratie.

Das Ende aller Hoffnung

Mehr als die Hälfte der Zeit seit ihrem Bestehen stand die Republik Türkei unter Ausnahmeverwaltung, wie nun auch wieder seit dem Putschversuch von Juli 2016, das ist ein Zustand, der weit über die Ermächtigung der Verfassungsänderung hinausgeht. Die Einführung des Präsidialsystems sorgt somit für  klare Verhältnisse ohne Etikettenschwindel. Was für Minderheiten in dem Land das Ende aller Hoffnung ist, ist für den Rest (also die demokratische Mehrheit) sowie für politische und wirtschaftliche Partner das Erreichen eines stabilen, weitgehend berechenbaren Zustands.

Es zählt nicht die Moral

Das ist zwar ein Zustand, der in keinster Weise unseren westlichen Werten aber umso mehr unseren westlichen Macht- und Wirtschaftsinteressen entgegenkommt. Die Situation ist vergleichbar mit der in Ägypten, dessen Ausflug in die Demokratie unter Mursi so gar nicht unseren Vorstellungen entsprach und das dem Westen als lupenreine Diktatur unter as-Sisi nun weit sympathischer ist. Auch wenn die Medien für die Zukunft der Türkei Horrorszenarien aufzeigen, es wird wohl eher besser werden als zumindest in der Zeit vor dem Referendum.

Hauptsache billig

Erdogan hat bekommen was er wollte, jetzt muss er wieder für Stabilität sorgen und die darniederliegende Wirtschaft, die er einst zum Florieren gebracht hat, wiederbeleben. Dazu wird er Kreide fressen müssen, um das im Wahlkampf zerbrochene Porzellan zu kitten. Und selbst wenn ihm Angela Merkel seine Ausfälle auf immer und ewig nachtragen wird, die deutsche Industrie möchte ihre billigen Produktionsstätten und ihre Investitionen in das Land nicht abschreiben. So werden wir nach einer kleinen Schamfrist wieder unsere Geschäfte mit der Türkei machen und selbst die Touristen werden bald schon wiederkommen. Wen interessieren schon inhaftierte Journalisten und die Wiedereinführung der Todesstrafe, wenn das Meer so schön blau, das Essen so lecker und der Urlaub so billig ist.

Kein neues Osmanisches Reich

Was die Türkei mit Sicherheit nicht wird, ist ein neues Großosmanisches Reich, das dem Westen gefährlich werden könnte. Dazu hat Erdogan es sich bei seinem Bemühen um die Stimmen der breiten Masse zu sehr mit den Intellektuellen, den Industriellen und den Wirtschaftsbossen des Landes verscherzt. Daran werden auch die vergleichsweise wohlhabenden Deutschtürken nichts ändern, obwohl sie doch mit weit größerer Begeisterung für das Verfassungsreferendum gestimmt haben, nämlich zu 63 Prozent, als die Türken im eigenen Land, die nur auf eine knappe Mehrheit von 51 Prozent gekommen sind.

Ein Votum gegen deutsche Dominanz

Diese glühenden Erdoganverehrer werden aber garantiert keine Milliarden nach Ankara pumpen oder gar in das Land ihrer Großeltern zurückkehren, um mit ihren Fähigkeiten und Finanzen dem Diktator am Bosporus zu internationaler Größe zu verhelfen. Denn bei ihrer Wahlentscheidung war ihnen die Zukunft ihrer Landsleute weit weniger wichtig, als dem dominierenden Deutschland und seinen Bürgern einen Denkzettel zu verpassen. Viele Türken in unserem Land haben aus Protest ihre Art von AfD, als Alternative für Deutschtürken, gewählt. Dumm nur, dass es jetzt ihre eigenen Landsleute in der alten Heimat ausbaden müssen.


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2 Gedanken zu “Referendum – AfD auf Türkisch

    • VaresiAdmin Autor des Beitrags

      Hallo Hannes, danke für die Info. Ich denke, vieles von dem, was Erdogan während des Wahlkampfes veranstaltet hat, war knallhartes politisches Kalkül. Das waren keine unbeherrschten Ausraster eines Irren (wie das die von Dir zitierte Bild gerne mal schreibt) sondern eine ganz gezielte und (wie wir heute wissen) erfolgreiche Manipulation seiner Landsleute.