Präsident Trump – acht Jahre sind nicht genug 5


Gestern wurde Donald Trump in sein neues Amt eingeführt und die ganze Welt rätselt, wo die Reise Amerikas unter diesem unberechenbaren Präsidenten hingehen wird. Doch ganz so unberechenbar ist Trump nun auch wieder nicht.

Ein waschechter Soziopath

Wie bereits sein ehemaliger Ghostwriter Tony Schwarz über ihn gesagt hat, haben wir es hier mit einem waschechten Soziopathen zu tun. Unberechenbarkeit ist nur eine der Eigenschaften von Menschen mit einer sogenannten instrumental-dissozialen Persönlichkeitsstörung, hinzu kommen ein übersteigertes Selbstbewusstsein, Streben nach Macht und Reichtum, sie besitzen weder Einfühlungsvermögen, Schuldgefühl noch Angst und lernen auch nicht aus negativen Erfahrungen. Dennoch verfügen sie über Charisma und Charme. Ihr Talent, Menschen vor den Kopf zu stoßen, verkaufen sie als Ehrlichkeit, wohingegen sie in Wirklichkeit begnadete Lügner sind, denn ein schlechtes Gewissen kennen sie nicht.

„You’re Fired“

Am Beispiel seiner beiden Brüder im Geiste, Putin und Erdogan, wird recht schnell klar, worauf wir uns bei Trump und seiner Kampagne „Make America Great Again“ einstellen müssen. Trump wird sich zunächst auf seinen Machtausbau innerhalb der republikanischen Partei konzentrieren, wobei er, wie er es bereits bei seiner Antrittsrede gezeigt hat, keinerlei Rücksicht auf Konventionen und Befindlichkeiten nehmen wird. Die Hoffnung seiner Gegner, er könne mit Hilfe eines baldigen Amtsenthebungsverfahrens bald schon wieder Geschichte sein, teile ich nicht. Viel mehr werden seine innerparteilichen Widersacher sowie Weggefährten, die ihm bei seinem Machtausbau im Wege stehen, seinen berüchtigten Satz zu hören bekommen: „You’re Fired!“. Bei dieser Aufräumaktion kann er, genauso wie seine Amtskollegen in Russland und der Türkei, auf eine breite Unterstützung der einfachen Leute im Volk vertrauen. Denn er tut ja nur das, was er im Wahlkampf versprochen hat, nämlich mit dem Washingtoner Filz aufzuräumen.

Schutzzölle gegen deutsche Unternehmen

In dieser ersten Phase seines Machtausbaus wird er sich international noch weitgehend bedeckt halten. Trotzdem wird er sehr schnell ernst machen, mit seinen angedrohten Schutzzöllen, wobei er sich anfangs auf die Unternehmen konzentrieren wird, bei denen er rasche Erfolge und am wenigsten gefährlichen Gegenwind zu erwarten hat. Ich persönlich fürchte aus diesem Grund, dass es dann eher europäische als chinesische Unternehmen treffen wird. Deutschland, als gerade erst wieder erstarkter Exportweltmeister, wird sich dann sehr warm anziehen müssen. Wer nicht lokal in den USA produziert, wird bald schon keinen Spaß mehr an diesem Markt haben.

Zweite Amtszeit: sehr wahrscheinlich

Trump wird alles tun, um eine zweite Amtszeit zu erreichen und auch hier zeigt uns der Blick nach Moskau und Ankara, er hat hervorragende Chancen, dass ihm das auch gelingen wird. Und da werden ihn auch keine internationalen Proteste, Wirtschaftskrisen und Rassenkonflikte stoppen, denn er hat ein sehr feines Gespür dafür, wie er Ängste, Wut und Hoffnungslosigkeit der Massen für seinen eigenen Machterhalt nutzen kann.

Enteignungen statt Kriege

International wird er sich auf militärische Konflikte nur da einlassen, wo er einen direkten Nutzen für sich persönlich sieht. Humanitäre Interventionen in Krisenregionen wird es unter ihm genauso wenig geben, wie ein militärisches Einstehen für langjährige Partner der USA. Auch mit Russland wird es zumindest in den nächsten acht Jahren nur wenige Reibungspunkte geben. Wirtschaftlich ist Putins Reich keine Bedrohung für Trump und die Situation in der Ukraine und in Syrien interessiert ihn herzlich wenig. Ganz anders wird er den Bestrebungen Chinas gegenüberstehen, wirtschaftlich zu einer Weltmacht aufzusteigen. Unternehmenseinkäufe aus dem Reich der Mitte werden bald schon der Vergangenheit angehören und sollte sich das Verhältnis mit Peking deutlich verschlechtern, wovon auszugehen ist, ist langfristig sogar mit einer Enteignung ausländischer Investoren in den USA zu rechnen.

Ego-Show mit Zugabe

Ob aus diesem zu erwartenden Wirtschaftskrieg ein militärischer Konflikt wird, ist unklar. Doch ein Atomkrieg ist unter Trump eher unwahrscheinlich, Soziopathen sind nur selten Selbstmörder. Viel wahrscheinlicher ist, dass Trump, sollte es seine Gesundheit zulassen, nach acht Jahren Präsidentschaft noch lange nicht genug haben wird. Auch hier gehen ihm seine Kumpels im Kreml und am Bosporus sowie der legendäre FIFA-Präsident Sepp Blatter als leuchtendes Beispiel voran. Es wird gelogen, betrogen und jeder noch so windige Trick wird versucht, um sich an den Schalthebeln der Macht festzuklammern. In den USA ist eigentlich nach zwei Amtszeiten Schluss, doch eins kann man Soziopathen nicht nachsagen, einen Mangel an Kreativität, wenn es um eine Zugabe bei ihrer Ego-Show geht.


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5 Gedanken zu “Präsident Trump – acht Jahre sind nicht genug

    • VaresiAdmin Autor des Beitrags

      Ja, das hoffe ich auch, aber wer die ersten Tage Trumps mitverfolgt hat, der muss mit dem Schlimmsten rechnen…

  • VaresiAdmin Autor des Beitrags

    Gut zwei Monate nach diesem Beitrag sehen wir schon ein wenig klarer, was die Ära Trump anbelangt. Vom Prinzip „You’re fired“ hat Trump ja schon reichlich Gebrauch gemacht. Angefangen hat er mit der Justizministerin Sally Yates, dann kam sein Berater Michael Flynn dran, weil er gefährlich nahe auf Kuschelkurs mit Putin gegangen war und vor zwei Tagen hat Trump seinen lieblings-Einflüsterer Stephen Bannon aus dem nationalen Sicherheitsrat abgezogen, weil er dort mit seinen rechtspopulistischen Rüpeleien offensichtlich mehr Porzellan zerbrochen, als Sinnvolles beigetragen hat. Ein wenig überrascht hat mich hingegen Trumps militärisches Eingreifen in Syrien heute Nacht als Antwort auf Giftgasangriffe auf Zivilisten. Aber da ging es auch weniger um Beistand für internationale Partner sondern viel mehr darum, von politischen Misserfolgen wie dem Scheitern bei der Ablösung von Obamacare und dem gestoppten Einreisestopp für Angehörige aus muslimischen Staaten abzulenken. Dennoch begrüße ich es, dass endlich das Überschreiten roter Linien im Syrienkonflikt sanktioniert wurde. Das erhöht zwar die Gefahr für ein Übergreifen dieses Konflikts auf den Rest der Welt, aber der bisherig grausame Verlauf des Syrienkonflikts zeigt, dass alle Versuche einer friedlichen Deeskalation bei keiner der Konfliktparteien Wirkung gezeigt hat.

  • Hannes

    Tatsache, es geht mit dem „You-are-fired“ munter weiter. Das Handelsblatt schreibt heute früh: „heute Nacht hat US-Präsident Donald Trump überraschend jenen Mann gefeuert, dem er seinen Wahlsieg verdankt: FBI-Chef James Comey.“
    Offensichtlich war dann doch etwas an den Russland-Kontakten von Präsident Trump dran, denn wieso sollte er seinen Steigbügelhalter rauswerfen, wo der mit dem Angriff auf Clinton Trump erst möglich gemacht hat. Doch wahrscheinlich hat die von James Comey veranlasste Untersuchung von Trumps Kontakten zu Putin alles andere als entlastende Fakten gefunden.

    • VaresiAdmin Autor des Beitrags

      Hallo Hannes, danke für die Neuigkeit und ja, ich denke, Du liegst mit Deiner Einschätzung durchaus richtig.
      Lg. Andreas