SWSX 2017 – Zeit für ein intelligenteres Gesellschaftssystem


Roboterhand

Bild: Fotolia, Tatiana Shepeleva

Heute, am 19.3.2017 ist die weltgrößte Digital-Konferenz, die SXSW in Austin zu Ende gegangen. Auf der Leitmesse für digitale Innovation hat die Begeisterung für soziale Netzwerke etwas nachgelassen, dafür stand dieses Jahr das Thema Künstliche Intelligenz kurz KI oder AI (artificial Intelligence) im Fokus.

 

 

Sprachassistenten als Treiber für KI

Treiber für diese Entwicklung sind gleich eine ganze Reihe von KI-Ansätzen der großen Konzerne, sei es Watson von IBM, Alexa von Amazon, Siri von Apple, Cortana von Microsoft oder Google Now für Android, sie alle verstehen die menschliche Sprache, liefern Antworten auf Fragen oder führen Befehle aus. Im Gegensatz zu den verhassten Sprachdialogsystemen, die bei Kundenhotlines vor ein paar Jahren noch die Anrufer in den Wahnsinn getrieben haben, ist die Spracherkennung deutlich besser geworden.

Massenhaft bestellte Puppenhäuser

Peinliche Ausrutscher, wie von Amazon Alexa, das massenhaft Puppenhäuser bestellt hat, nachdem ein Nachrichtensprecher im TV einen entsprechenden Satz geäußert hatte, sind eher kuriose Ausnahme als die Regel. In Zukunft sollen KI-Systeme autonomes Fahren ermöglichen oder bei der geplanten Marsmission vorausgeschickte Roboter dazu befähigen, auf dem roten Planeten autark alles für die Ankunft und die spätere Heimreise der Weltraumpioniere vorzubereiten.

Bald kein Unterschied mehr zwischen Mensch und Maschine

Noch hat keines der heutigen KI-Systeme wirklich den Turing Test bestanden, bei dem ein Gesprächspartner nicht mehr in der Lage ist, den Unterschied zwischen Mensch und Maschine herauszubekommen. Doch nachdem die einst als unüberwindbar gegoltenen Hürden, wie Siege von Computern über menschliche Meister in den Brettspielen Schach und Go oder in der Gameshow „Jeopardy“ gemeistert wurden, dürfte das Bestehen des Turing Tests auch nur noch eine Frage der Zeit sein.

Sind wir bald Roboter oder noch Mensch?

Im Interview zur SXSW 2017 des Handelsblattes stellt sich daher  Dr. Marc Schumacher, der Chef der Stuttgarter Liganova GmbH die Frage: „Wie lange können wir noch Mensch sein? Die Kapazität des menschlichen Gehirns ist limitiert im Vergleich zur technologischen Entwicklung, die uns bevorsteht. Können wir überhaupt verarbeiten, was auf uns zukommt? [..] Sind wir bald Roboter oder noch Mensch?“ Dass diese Frage nicht ganz unberechtigt ist, zeigen die Heerscharen an Smartphone nutzenden Zombies, sogenannten Smombies, die gefesselt von ihren digitalen Begleitern reihenweise vor Autos, Busse und Straßenbahnen rennen.

Der kleine Unterschied

Computer werden sicherlich einmal in jeder Lebenssituation schneller und präziser als das menschliche Gehirn arbeiten, aber ihnen fehlt die Quintessenz des Geistes. Noch kann niemand genau erklären, wie der Geist und die Fähigkeit des individuellen Erlebens genau entsteht, sicher ist aber, es genügt nicht, einfach nur so zu tun, als würde ein Programm Gefühle haben. Gefühle lassen sich nach außen hin simulieren aber das bedeutet nicht, dass sie dann auch wirklich entstehen. Solche Programme sind nicht besser, als ein herzloser Mensch, der Mitgefühl heuchelt. Was in einem Computer abgeht ist logisch aber tot und unreflektiert. So können heute schon VR-Programme faszinierende 3D-Welten auf den Bildschirm zaubern, doch das Glücksgefühl beim Anblick der Frühlingssonne können sie nicht erleben. Und selbst wenn sie eines Tages Chartbreaker autonom komponieren können, wird ihre Musik vielleicht uns aber niemals ihnen selbst Gänsehaut auf ihren virtuellen Rücken zaubern.

Die Chance auf paradiesisch Zustände

So werden uns vielleicht eines nicht mehr allzu fernen Tages Computer und Roboter jegliche Arbeit abnehmen, aber das Leben und Erleben als Mensch können sie uns nicht streitig machen. Wenn wir es richtig anstellen, können wir mit ihrer Hilfe eine paradiesische Zukunft erreichen, bei der Menschen nur noch die Aufgaben verrichten, die ihnen wirklich Freude bereiten, alle leidigen Pflichten können sie an ihre digitalen Helferlein delegieren. Wichtig ist jedoch, dass die Wertschöpfung der autonomen Systeme der Gemeinschaft zugute kommt.

AI braucht ein intelligenteres Gesellschaftssystem

Machen wir jedoch die gleichen Fehler, wie bei der New Economy, bei der die Gewinne hauptsächlich einzelnen zugute gekommen sind, tritt das Horrorszenario ein, von dem der Self-Made-Milliardär Mark Cuban träumt: „I am telling you, the world’s first trillionaires are going to come from somebody who masters AI.” Dann hätten wir es nämlich mit globalen Feudalherren zu tun, die über mehr Geld und somit auch mehr Macht verfügen, als die meisten westlichen Industrienationen und das ganz ohne jegliche Kontrolle durch die Gesellschaft. Wenn wir das zulassen, haben wir nicht das Paradies sondern die Hölle auf Erden, in der wenige alles haben, während ihre digitalen Sklaven den Rest der Menschheit sowohl um ihre Jobs als auch um ihre Existenzgrundlage bringen. Es ist also an der Zeit, nicht nur neue, noch intelligentere digitale Systeme zu entwickeln, sondern auch ein neues, intelligenteres Gesellschaftssystem.

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